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Death Note (Kurzkritik)

Vor Kurzem ist auf Netflix die Anime-Adaption von „Death Note“ erschienen. Fans der Anime-Serie haben wohl gebannt, hoffnungsvoll und gleichzeitig voller Angst, dass „ihre“ Serie nun zu Trash verarbeitet wird, auf die Realverfilmung gewartet und jetzt ist die draußen.

Zum Inhalt

Ich übernehme hier mal ganz frech die Inhaltsangabe aus Wikipedia:

„Dem Studenten Light Turner fällt ein mysteriöses Notizbuch in die Hände, worauf hin er eine große Macht in sich feststellt. Wenn er den Namen eines Menschen in das übernatürliche Buch schreibt, während er sich dessen Gesicht vorstellt, wird dieser sterben. Berauscht von seinen neuen göttlichen Fähigkeiten und angeleitet von dem Todesgott Ryuk beginnt der junge Mann, die zu töten, die er für lebensunwürdig hält. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Mia beginnt er, die Welt von Kriminellen zu befreien. Doch als immer mehr Verbrecher auf unerklärliche Weise sterben und die polizeilichen Ermittlungen unter der Leitung von Lights Vater James ins Leere laufen, tritt der Meisterdetektiv L auf den Plan. Der brillante Ermittler muss sein komplettes Können auffahren, um die Vorgänge zu beenden.“

Kurzkritik

Ich habe die Serie selbst nicht gesehen, doch mein Kumpel, der mich zum Filmschauen genötigt hat, meinte, dass offenbar sehr viel aus der Serie vor kommt, auch wenn manches weniger tiefgehend behandelt wurde, wie beispielsweise die Beziehung zwischen Light und L (Der Agent, der hinter ihm her ist).

Im folgenden werde ich schreiben, wie ich den Film, unvoreingenommen durch Trailer oder das Verfolgen der Serie, wahrgenommen habe.

Poor Story Writing

Death Note hat ein unglaubliches Tempo. Man muss schon wirklich dran bleiben und aufpassen. Er hält sich nicht lange in überflüssigen Dialogen oder allgemein Szenen auf. Und das ist erstmal gut, denn langweilig wird einem dabei nicht. Allerdings hat es auch die Kehrseite, dass Wissenswertes für den Zuschauer nicht gezeigt, sondern gesagt wird. Aufgefallen ist das mir das erste Mal am Anfang beim Dialog zwischen Light und seinem Vater, in dem sie ihre Vorgeschichte (Mord der Mutter bzw. Ehefrau) kurz „runterrattern“, wobei mir direkt der Begriff „poor story writing“ in den Sinn kam. Andrerseits wird diese Information auch direkt gebraucht, weil sie zur Nachvollziehbarkeit einer der ersten Schlüsselszenen benötigt wird.

 

Selbstjustiz

Liest man sich den Inhalt durch, ist einem natürlich klar, dass das Kernthema von  Death Note die Selbstjustiz ist. Als Zuschauer identifiziert man sich natürlich mit Light. Damit geht einher, dass man die Tötungen eher mit einem gewissen Blutdurst als mir Kritik und Kopfschütteln verfolgt. Meiner Ansicht nach hätte man die verschiedenen Kriminellen auch noch ausführlicher und gemeiner etablieren können, um Lights Entscheidungen über Tod und Leben noch mehr nachvollziehen zu können. Dass das größtenteils nicht der Fall ist, ist wohl wie oben erklärt, dem Druck, möglichst alle wichtigen Punkte der Serie in einen Langfilm zu kriegen, geschuldet. Das ist aber weniger schlimm, als es sich jetzt anhört.

Selbstjustiz-Filme haben oft das Muster, dass der Zuschauer vom Protagonisten in den Bann gezogen werden und sich dadurch ein möglichst hartes „Gericht“ wünschen. Parallel dazu führt dann die „echte“ Justiz Ermittlungen durch und versucht den Protagonisten zu fangen. Zwischen Protagonist und Antagonist ist da öfter noch die Öffentlichkeit, die dem „Rächer“ zustimmen und ihn für einen Helden (bei Death Note teilweise als Gott) sehen oder aber Angst vor ihm haben. Das sorgt dafür, dass das Thema der Selbstjustiz erörtert wird und offene Fragen gestellt und ggf. beantwortet werden.

Death Note folgt da seinen Vorgängern weitgehend und lässt auch seine Hauptfigur darüber nachdenken, ob er da wirklich das Richtige tut bzw. ob es ihm zusteht, über Leben und Tod zu richten. In dem Sinne ist Death Note da völlig zufrieden stellend und gleichzeitig auch nicht zu dicht an der üblichen Revengefilmstruktur. Am Ende fühlt man sich also nicht so, als hätte man eben die neue objektive Wahrheit über Selbstjustiz erfahren oder philosophische Fragen aufgeworfen bekommen, die man nun tagelang in Gedanken bearbeitet, aber man ist zufrieden.

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Oberflächlicher Trashfilm oder doch was besonderes?

Während dem Filmschauen hab ich mich oft gefragt, ob der Film eher in eine Box mit „The Guest“ und „It follows“ passen würde oder als Alternative zu Final Destination beim Saufabend mit Bier und Popcorn. Death Note steht wohl irgendwo dazwischen. Was für die Fina Destination-Richtung spricht, wäre die teilweise übertriebene/überzogene Gewaltdarstellung in Verknüpfung mit oft (bewussten oder unfreiwillig) komischen Mimiken und Gestiken von (v.a.) Light Turner. Ebenfalls dafür spricht die Stimmung: Sie ist zwar weitgehend ernst, aber nicht schwerfällig. Als Zuschauer hat man jetzt nicht wirklich das Gefühl, dass man etwas extrem Emotional-dramatisches ansieht, sondern fühlt sich eher einfach gut unterhalten.

Warum Death Note aber auch mit „the guest“ oder „it follows“ vergleichbar ist, ist der (v.a.) visuelle Stil (düster, Neonlicht, ..) und die Filmmusik (Retro 80er Synthiewave). Vielleicht wäre Death Note der schwächste Film, wenn er in einer Box mit den beiden o.g. verkauft werden würde, aber meiner Meinung nach passt er da gut rein.

 

Fazit

Death Note hat mich gut unterhalten und ich bin mir sicher, dass ich ihn nochmal schauen werde. Der Inhalt ist zwar nicht weltbewegend, muss er aber auch nicht sein. Hier und da gibt es ein paar geschmackliche Mängel (siehe z.B. poor story writing), die einem den Spaß am Film aber nicht nehmen. Wem einerseits Filme wie it follows, the guest, the invitation, the gift oder eben auch Final Destination gefallen, würde sicherlich auch bei Death Note seinen Spaß haben.

 

Death Note ist seit Mitte August auf Netflix zu sehen

 

 

 

 

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