ac film

Trailer Review: Assassin’s Creed

Ubisoft und die leeren Versprechen

Seit der Ankündigung vor wenigen Jahren freuen sich vermutlich Tausende, wenn nicht sogar Hunderttausende auf diesen Film. Der Videospiel-Publisher hatte in den letzten 15 Jahren immer mal wieder angedeutet, dass an Filmadaptionen ihrer Spiele herumgewerkelt wird – oder man zumindest darüber nachdenkt. Als Jugendlicher hab ich das dann sehr ernst genommen uns deswegen regelmäßig nachgeschaut, ob es denn nun endlich etwas neues zum „Splinter Cell“-Film gibt. Es gab immer wieder mal Gerüchte und Andeutungen, dass es realistisch ist – und sogar George Clooney war für die Rolle von Sam Fisher vorgesehen (Ob Clooney davon wusste, weiß vermutlich nur er selbst). Als kleiner Zocker hatte man aber große Hoffnungen, die mit der Reife und vor allem mit den unerfüllten Versprechungen langsam den Bach runter gingen.

Als vor wenigen Jahren (als ich schon eigentlich das Interesse am Gaming verloren hatte) breitspurig rausposaunt wurde, dass ein Assassin’s Creed-Film geplant ist und man sogar schon Michael Fassbender (der auch damals schon voll im Hype war) dazu überreden konnte, hab ich mich dabei erwischt, dass ich tatsächlich daran glaubte. Ich hielt es einerseits für realistisch und andrerseits war es mir aber auch fast egal, weil für mich die Spieleserie mit dem dritten Teil gestorben war (Der Film mit Fassbender wurde etwa in der Zeit des vierten Teils „Black Flag“ das erste mal offiziell und greifbar angekündigt).

Der Untergang von Assassin’s Creed

Ich möchte ich mal eben einschieben, warum der dritte Teil (Assassin’s Creed 3 i.F. AC3) für mich unterirdisch war, denn im Prinzip könnte ich gerade auf dieser Website einen extra Beitrag schreiben, wenn man beachtet, dass ich mich hauptsächlich um Inhaltliches schere:  AC3 hatte die historische Grundlage des Amerikas zur Zeiten der Tea-Party, Unabhängigkeitserklärung usw, was zwar angesichts der vorherigen Teile – Mittelalter in u.a. Damaskus inkl. Kreuzzugthematik und später Frankreich, Istanbul und Italien zur Zeit der Aufklärung und Renaissance (Angaben ohne Gewähr :P) etwas ungewöhnlich, andrerseits aber ein logischer und interessanter Schritt des Settings. Was war aber das Problem: Der Protagonist, den man spielte, war ein Charakter, der so dumm und naiv war, dass es einem nicht nur extrem schwer fiel, sich in ihn hineinzuversetzen – nein, man (oder zumindest ich) habe diesen Charakter gehasst und die meiste Zeit gehofft, er würde umgebracht, damit man bspw. seinen Vater – eine weitaus interessantere und klügere Figur – spielen kann. Wenn man der Person, die man spielt, den Tod wünscht, dann ist das fast schon schlimmer, als wenn man im Film einen Antiheld oder gar Antagonisten als Bezugsperson vorgesetzt bekommt, denn schließlich dauert ein Spiel nicht nur 90 Minuten, sondern 10 bis 30 Stunden. Okay, so viel dazu.

Seit der Film das erste mal ernsthaft angekündigt wurde, gab es in großen aber regelmäßigen Abständen Updates und man hatte das Gefühl, dass sich da was tut. Nun jetzt zum 11. Mai erschien der erste Trailer. Damit ich mir die Inhaltsbeschreibung dazu sparen kann, liefer ich ihn hier direkt mal:

Warum der Film auch in der Zukunft spielt

Wer AC nur flüchtig durch Ausschnitte, Banner o.ä. kennt, der fragt sich natürlich, warum der Trailer praktisch die erste Hälfte in einem Zukunftssetting spielt. Ich versuche das mal so entverwirrend wie möglich zu erklären: AC spielt in verschiedenen Zeitebenen. Die Spiele beginnen meistens in diesem Zukunftssetting, wobei man dort den Charakter Desmond spielt. Durch seine Gene und zwangsläufig damit in Verbindung stehenden Vorahnen, wird er von vermeintlichen Wissenschaftlern dazu überredet, sich an ein Gerät anzuschließen, das ermöglicht, dass er in die Zeit und in den Körper seiner Vorahnen – also vermutlich Urururururgroßvater – schlüpfen kann und so in gewissem Rahmen auf verborgenes Wissen aus dieser Zeit zugreifen kann. Das mag sich tatsächlich verwirrend anhören, aber die 13-Jährigen AC-Fans verstehen das – und man wird es bestimmt auch später im Film verstehen.

Zielgruppengerecht

In der zweiten Hälfte des Trailers geht es dann in die Vergangenheit. Für mich sah es so aus, wie ich mir einen Assassin’s Creed-Film vorstellen würde. Ein Kumpel (der mich netterweise erst auf den Trailer aufmerksam gemacht hat) meinte, obwohl er kaum oder gar nicht AC gespielt hat, sieht er schon, dass es eine Aneinandereihung von Fanserviceszenen sein wird. Und damit hat er auch recht. Aber ist das schlimm? Angesichts der Tatsache, dass die Hauptzielgruppe des Films die jetzigen Assassin’s Creed-Spieler sein wird, ist es logisch und sinnvoll, entsprechend den Spielen auch den Film zu gestalten. Allein aus wirtschaftlicher Logik weiß ich schon, dass ich nicht mehr die Zielgruppe sein werde – dafür ist der Film einfach 5 Jahre zu spät.

Krach Bumm und Vorbei?

Das zweite Setting (Zeit und Ort) sieht zu meiner Freude jedoch mehr nach den älteren als den neuen Spielen aus. Meine Reaktion auf den Trailer war „entweder es wird trashig und schlecht oder gute Unterhaltung für Zwischendurch). Das heißt, ich glaube kaum, dass der Assassin’s Creed-Film ein kulturell interessanter Film in Action-Verpackung wird, sondern durch das Setting eine gewisse Abwechslung bietet aber ansonsten den üblichen vorhersehbaren Storyverlauf verfolgt. Was mir übel aufstößt – und das ist ein generelles Problem von Trailern – ist dass die Trailer grundsätzlich immer gleich aufgebaut werden. Vor wenigen Jahren trötete alle zwei Sekunden das Inception-Horn und im Jahr 2016 wird jeder Trailer auf pseudoelectronischen Hiphop gelegt. Das kann man bei „Straight Outta Compton“ oder von mir aus noch bei der eh verlorenen Reihe „Die Hard“ machen, aber bei einem Film, dessen Setting wohl (und hoffentlich) vor über 200 Jahren spielt, ist Hiphop und Electronic wohl so ziemlich das unpassendste, was man wählen könnte.

Ich will den Film nicht anhand des Trailers beurteilen, aber ich hatte immer die Hoffnung und den Gedanken, dass man aus AC einen Film machen kann, der klug, komplex, spannend und neugierig machend auf frühere Zeiten ist. Schließlich gibt es für Jugendliche ansonsten nur langweilige Schul-Geschichtsbücher. AC konnte meines Erachtens nach da zumindest eine gewisse Neugierde und Interesse daran entfachen. Der Trailer macht aber diese Hoffnung  eigentlich schon kaputt, da man schon sieht, auf welches Pferd sie setzen: Krach Bumm Vorbei.

Aber wir werden sehen 😉

Der Film erscheint im Dezember 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.